Kreatinin-Clearance
Zuletzt aktualisiert: 2026-08-10
Erhalten Sie die neuesten Rechner und Updates direkt in Ihren Posteingang.
| Alter (yr) | Gewicht (kg) | Kreatinin sérica (mg/dL) | |
|---|---|---|---|
| Child | 15 yr | 35 kg | 1 mg/dL |
| Teen | 22 yr | 52 kg | 1 mg/dL |
| Adult (F) | 30 yr | 70 kg | 1 mg/dL |
| Adult (M) | 45 yr | 105 kg | 1 mg/dL |
| Elderly | 60 yr | 140 kg | 1 mg/dL |
Die Kreatinin-Clearance (CrCl) nach Cockcroft-Gault ist ein bewährtes Verfahren, um die Nierenfunktion abzuschätzen und die Dosierung von Medikamenten anzupassen. Mit diesem Online-Rechner können Sie schnell ermitteln, wie gut Ihre Nieren das Stoffwechselendprodukt Kreatinin aus dem Blut filtern – ganz ohne aufwendige 24-Stunden-Urinsammlung.
Wann wird die Kreatinin-Clearance berechnet?
Die Formel nach Cockcroft-Gault wird vor allem in der klinischen Pharmakologie und bei der Nierenfunktionsdiagnostik eingesetzt. Sie ist besonders hilfreich, wenn:
- die Dosis von Medikamenten, die über die Nieren ausgeschieden werden, angepasst werden muss (z. B. bestimmte Antibiotika, Virostatika oder Chemotherapeutika)
- eine chronische Nierenerkrankung (CKD) eingestuft und der Verlauf überwacht werden soll
- vor kontrastmittelgestützten Untersuchungen das Risiko einer Nierenschädigung abgeschätzt wird
- bei Diabetes oder Bluthochdruck die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden muss
- im Rahmen präoperativer Check-ups die Nierenleistung beurteilt werden soll
Anders als die neueren Formeln MDRD oder CKD-EPI, die meist für die CKD-Stadieneinteilung empfohlen werden, bleibt die Cockcroft-Gault-Formel der Standard für Dosisanpassungen – darauf beziehen sich viele Fachinformationen von Arzneimitteln.
Die Formel – jeder Bestandteil erklärt
Die Berechnung erfolgt nach dieser Gleichung:
CrCl (ml/min) = ((140 – Alter) × Körpergewicht (kg) × Faktor) / (72 × Serumkreatinin (mg/dl))
Faktor: Bei Männern entfällt der Faktor (entspricht 1), bei Frauen wird mit 0,85 multipliziert.
Die einzelnen Größen im Detail:
- (140 – Alter): Die Zahl 140 ist ein empirisch ermittelter Referenzwert. Je älter ein Mensch ist, desto niedriger fällt dieser Differenzwert aus – das berücksichtigt den natürlichen Rückgang der Muskelmasse und der Nierenfunktion mit zunehmendem Alter.
- Körpergewicht in Kilogramm: Das tatsächliche Körpergewicht wird eingesetzt. Bei starkem Übergewicht (BMI ab 30) sollte jedoch das adjustierte Körpergewicht verwendet werden, da Fettgewebe kaum zur Kreatininproduktion beiträgt und sonst die Clearance überschätzt wird.
- Geschlechtsfaktor 0,85: Frauen haben im Durchschnitt weniger Muskelmasse als Männer mit gleichem Körpergewicht. Da Kreatinin aus dem Muskelstoffwechsel stammt, gleicht dieser Korrekturfaktor den geschlechtsspezifischen Unterschied aus und verhindert eine Überschätzung der Nierenfunktion bei Frauen.
- 72 × Serumkreatinin (mg/dl): Der Nenner enthält die Konstante 72, die aus der ursprünglichen Studienpopulation stammt. Wichtig: Das Serumkreatinin muss in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) vorliegen. Liegt der Wert in Mikromol pro Liter (µmol/l) vor, teilen Sie ihn durch 88,4. Beispiel: 100 µmol/l entsprechen 1,13 mg/dl.
Zwei Praxisbeispiele mit konkreten Zahlen
Beispiel 1: 68-jährige Frau mit beginnender Nierenschwäche
Eine 68-jährige Patientin wiegt 72 kg, ihr Serumkreatinin beträgt 1,1 mg/dl. Berechnung:
((140 – 68) × 72 × 0,85) / (72 × 1,1) = (72 × 72 × 0,85) / 79,2 = 4406,4 / 79,2 = 55,6 ml/min
Mit 55,6 ml/min liegt die Kreatinin-Clearance im Bereich einer mittelschweren Nierenfunktionseinschränkung (CKD-Stadium 3a). Für die Patientin bedeutet das: Medikamente wie Metformin oder bestimmte ACE-Hemmer müssen möglicherweise niedriger dosiert werden. Auch die Gabe von NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Beispiel 2: 45-jähriger Mann mit normaler Nierenfunktion
Ein 45-jähriger Mann (82 kg) hat einen Kreatininwert von 0,9 mg/dl. Die Berechnung:
((140 – 45) × 82) / (72 × 0,9) = (95 × 82) / 64,8 = 7790 / 64,8 = 120,2 ml/min
Mit 120 ml/min liegt der Wert im normalen Bereich (Männer: etwa 90–140 ml/min). Bei diesem Patienten ist keine Dosisanpassung nötig, selbst wenn er ein nierenpflichtiges Medikament einnehmen müsste. Die gute Nierenfunktion spiegelt den muskulären Körperbau und das mittlere Lebensalter wider.
Häufige Fehler bei der Anwendung
- Falsche Gewichtsangabe bei Adipositas: Wer bei einem Patienten mit BMI über 30 das tatsächliche Körpergewicht (85 kg statt adjustiert 68 kg) einsetzt, überschätzt die Clearance um 20–30 %. Verwenden Sie stattdessen das adjustierte Körpergewicht: Adjustiertes Gewicht = Idealgewicht + 0,4 × (tatsächliches Gewicht – Idealgewicht).
- Vergessen des Frauenfaktors: Wird bei Frauen der Multiplikator 0,85 weggelassen, liegt das Ergebnis rund 15 % zu hoch. Das kann zu Überdosierungen von Medikamenten führen – zum Beispiel bei Digoxin oder bestimmten Antibiotika.
- Anwendung bei instabilen Kreatininwerten: Die Formel setzt einen stabilen Zustand voraus. Bei akuter Nierenschädigung, wo der Kreatininspiegel täglich steigt oder fällt, ist die Cockcroft-Gault-Formel nicht anwendbar. Hier sind andere Verfahren wie die Urinsammlung nötig.
- Verwechslung der Einheiten: Viele Labore in Deutschland geben Kreatinin in µmol/l an (Normalbereich: etwa 60–110 µmol/l). Wer 100 µmol/l direkt in die Formel einsetzt, erhält einen etwa 88-mal zu niedrigen CrCl-Wert. Die korrekte Umrechnung lautet: mg/dl = µmol/l ÷ 88,4.
Häufig gestellte Fragen
Welche Werte gelten als normal?
Für Männer liegt der Normalbereich der Kreatinin-Clearance zwischen 90 und 140 ml/min, für Frauen zwischen 80 und 125 ml/min. Werte unter 60 ml/min deuten auf eine Nierenfunktionseinschränkung hin. Eine Einteilung: 60–89 ml/min = leicht vermindert (Stadium 2), 30–59 ml/min = mäßig vermindert (Stadium 3), 15–29 ml/min = schwer vermindert (Stadium 4), unter 15 ml/min = Nierenversagen (Stadium 5).
Warum wird die Cockcroft-Gault-Formel trotz neuerer Methoden noch verwendet?
Die Formel hat den Vorteil, dass sie das Körpergewicht einbezieht – ein Faktor, der für die Dosisberechnung vieler Medikamente entscheidend ist. Neuere Formeln wie CKD-EPI sind zwar genauer für die Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), berücksichtigen aber kein Gewicht. In der Arzneimitteltherapie bleibt Cockcroft-Gault daher der von der FDA und der Europäischen Arzneimittel-Agentur empfohlene Standard, auf den sich die meisten Packungsbeilagen beziehen.
Kann die Formel auch bei älteren oder untergewichtigen Patienten angewendet werden?
Ja, allerdings mit Vorsicht. Bei Menschen über 80 Jahren oder mit sehr geringer Muskelmasse (z. B. nach langer Krankheit) kann die Formel die Nierenfunktion unterschätzen, da der Kreatininwert dann niedriger ist als der tatsächlichen Filtrationsleistung entspricht. In solchen Fällen ist eine ergänzende Messung des Cystatins C oder eine 24-Stunden-Sammelurin-Untersuchung empfehlenswert.